Zurück nach Bhopal
Nachdem wir die rund 40 Kilometer von Pachmarhi nach Pipariya mit viel Gegenverkehr (zum Festival) hinter uns hatten, beging das Abenteurer Zugticket kaufen wieder einmal auf’s Neue! Auf meine Frage, wenn der nächste Zug nach Bhopal fährt, hiess es einfach: “No train”.
Als ich nachfragte, ob es einen Zug nach Itarsi gebe und ich dort umsteigen könne für einen Zug nach Bhopal war das Problem dann gelöst
Wieso sollte die Dame hinter dem Schalter auch wissen, wie ich nach Bhopal komme? Ganz nach dem Motto “How can I know? I only work here…”
Kaum hatte ich das Ticket in meinen Händen, musste ich auch schon losrennen, da der Zug bereits da war. Kaum eingestiegen, fuhr der Zug auch schon los. Dummerweise war der Zug so voll, dass ich weder einen Sitzplatz hatte, noch im Gang genügend Platz war um mein Rucksack abzustellen. Zum Glück waren es nur zwei Stunden bis nach Itarsi…
Dort angekommen wollte ich dann mein zweite Klasse Ticket gegen Sleeperclass umtauschen, in der Hoffnung, dass dort mehr Platz ist für den nächsten Zug. Tja, beim dem Zug gab es dann aber keine anderen Klassen, als Zweite… aber wenigstens war da mehr Platz, sprich ich konnte meinen Rucksack auf den Boden stellen. Ich weiss jetzt allerdings auch, warum man seinen Kopf nicht zu weit aus der offenen Türe halten sollte während der Zug fährt… Meine Brille wäre fast davongeflogen
Dafür konnte ich das an mir vorbeiziehende Land- und Flussleben viel besser beobachten!
In Bhopal angekommen war es für einmal ein ganz anderes Gefühl, schliesslich war ich schon mal hier und “kannte mich aus”. Somit bin ich nett lächelnd an den TucTuc-Fahrern vorbeigezogen und hab mich auf den Weg ins Hotel gemacht.
Dort hab ich dann auch Daniela, Giorgio und Guido wiedergetroffen. Gemeinsam mit drei weiteren Italienern ging es dann zum Essen und ich merkte bald, dass ich fast nichts von Bhopal kenne… Die Stadt war wesentlich grösser, als ich gedacht habe.
Am nächsten Tag besuchten wir die Sambhavna Trust Medical Clinic, eines der Krankenhäuser, die sich auf die Opfer der Chemiekatastrophe von Union Carbide Corporation spezialisiert haben.
Es war ein interessanter und lehrreicher Besuch, der jedoch auch viele Fragen zum Unglück für mich offen gelassen hat. Ich kann nach wie vor nicht verstehen, dass weder die Union Carbide Corporation (später von der The Dow Chemical Company übernommen) noch die Indischen Behörden das Gelände umfassend saniert haben und somit mit jedem Monsun weitere Giftstoffe in das Grundwasser dringen.
Die Klinik beschäftigt sich zurzeit einerseits mit der Behandlung von Opfern und auch mit dem Sammeln von Daten, die später Veröffentlicht werden sollen. Die Klinik nimmt auch gerne Volunteers auf, die zum Beispiel entsprechende Daten aufbearbeiten, Infomaterialien erstellen etc.
Die Klinik betreibt übrigens auch verschiedene Blogs.
Der Abend fand dann wieder in einem erfreulicherem Umfeld statt. Eine Kollegin von Daniela lebt zurzeit bei einer italienisch-indischen Gastfamilie und da waren wir alle zum Essen eingeladen
“Leider” gab es entgegen meiner Hoffnungen keine Pizzas und Pasta, aber das Essen war trotzdem gut und gab einen weiteren Einblick in das Leben in Bhopal bezw. Indien.